Sonntag, 16. November 2008

Hard Work oder wie unterdrücke ich meine Weiblichkeit?

Wir Frauen unterliegen ja anhand unseres Geschlechts einiger spezifischen Gegebenheiten. Wir sitzen mit der Faust im Sack auf dem Beifahrersitz (ich hasse den Beifahrersitz), wir beissen knirschend die Zähne zusammen, wenn uns jemand mitteilt: "Da hast DU aber eine schöne Küche", als ob das unser alleiniges Refugium wäre, Göttergatte kocht nebenbei mit Abstand besser als ich, UND wir sind immer die, die bei Renovationsarbeiten wie Malen den kleinen Roller bekommen. Während das "starke" Geschlecht mit dem grossen Roller STREICHT, mölelen wir mit dem kleinen Rollerchen die Ränder und die Ecken. Wir halten Zeugs das angeschraubt, angehämmert werden muss, wir schrauben und hämmern aber nie selber. Wir halten die Lampen, während sie vom Herrn des Hauses unter Einsatz seines Lebens befestigt werden ("Ist die Sicherung wirklich draussen?").

Nicht dass ich nicht auch schon mal was im Alleingang gemacht hätte. Als Göttergatte für ein paar Tage in Prag an einer Hochzeit weilte und ich derweilen Haus und Herd und die 3 Monate alte Lisa hütete überkam mich die Idee das Esszimmer zu streichen. Kurzerhand schob ich also Lisa zur Schwiegermutter ab und fing an abzukleben und zu streichen. Nach dem ersten Rundstreichgang hatte ich genug. Ich war erschöpft und hatte einfach keine Lust mehr. Die darauffolgenden 4 Jahre blinzelte uns durch die gelbe Farbe hindurch das hässlichste Muster an, das eine Tapete haben kann. Aber ich konnte mich einfach nicht aufraffen ein zweites Mal darüberzustreichen.

Und heute habe ich den Spiess umgedreht! Bei der Frage "Willst du die Türrahmen schleifen oder streichen?" habe ich todesmutig geantwort: "Schleifen!". Göttergatte nahm sich also ausnahmsweise den kleinen Roller und streichelte damit gemütlich über die Rahmen während ich rauf und runter schmirgelte, mir die Hände an den Türbolzen stoss und Staub einatmete. Bereits nach der ersten Tür hätte ich den Schleifklotz am liebsten weit von mir geschmissen und gesagt "Mach den Scheiss alleine! Ich bin eine Frau, ich kann sowas nicht!". Ich war nassgeschwitzt, meine Oberarme taten weh und der grösste Teil meines dunkelroten Nagellacks war weggescheuert. Aber nein, sowas würde sich Frau ja nicht eingestehen, also schleift sie mit zusammengebissenem Gebiss weiter. Sämtliche 7 Türrahmen. Ich muss Ihnen nicht erklären wie meine Arme sich jetzt anfühlen, oder?

Ab sofort nehme ich wieder dankend den kleinen Roller an und warte, bis Göttergatte alles vorbereitet hat, damit ich dann schön "darübermölelen" kann. Fraulichkeit hat halt definitiv auch ihre Vorteile.




Man beachte dass die Tatzen der Katze keine Fellabschleifungen haben. Katzenweibsen wissen eben wie der Hase läuft...

Kommentare:

Anousch hat gesagt…

gerade fragt mich der herr nebenan, was ich denn so zu lachen habe... :-) du bist köstlich!

Frau Familienwahnsinn hat gesagt…

ja, jetzt schon, ich habe gerade den staub von mir geduscht, ich kann jetzt also angeknabbert werden. :-D

übrigens war ich noch gar nicht fertig, ich hatte zu früh veröffentlicht... hihi. wir frauen sind halt einfach zu schnell ...

lg und schöne sonntigreschtobig