Mittwoch, 15. August 2012

Es ist viel passiert...

... lalalalalala.. na, kennen Sies? - Der Soundtrack von Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Oder hiess das "es wird viel passiern"?! Egal, und nein, ich hab nicht deshalb nicht mehr gebloggt weil ich TV-süchtig geworden bin und GZSZ am laufenden Band geschaut habe, das ist schon Jahre her, irgendwann verfleucht sich diese Sucht Gott sei Dank und man fragt sich im Nachhinein, wieso man den Sch... überhaupt geschaut hat. Gebloggt hab ich hauptsächlich wohl deshalb nicht mehr weil zu viel passiert ist und mir die Zeit einfach davon rannte. Und wenn die Zeit da war konnte ich fast meine ganze Hypothek verwetten, dass exakt in diesem Moment die Motivation auswärts zu nächtigen pflegte. Ausserdem schreibe ich meistens über witzige, gute, positive Erlebnisse und wenn es mir gut geht, wovon ich dieses Jahr öfters meilenweit entfernt war.

Es gab einiges was nicht mehr war, wie es hätte sein sollen. Probleme mit dem Göttergatten, der so gar kein Göttergatte mehr war, endend in einer temporären Trennung, die in der Zwischenzeit zwar aufgehoben ist, nichts desto trotz aber monatelang einen Schatten über das glückliche Sein gelegt hatte. ... wenn ich ehrlich bin war das mit dem glücklichen Sein vielleicht noch eine Illusion, die ich festzuhalten versuchte, im innersten war ich nur noch unglücklich und angespannt und besorgt und und und (Sie können hier jegliche Adjektive einsetzen, die die niederen Gefühlszustände beschreiben, passt alles...). Auch nach 4 Monaten ist die ehemalige Meist-Götterehe noch nicht zurück im Götterstatus und braucht noch einiges an Beziehungsarbeit. Aber eigentlich wollte ich darüber gar nicht schreiben, denn wer hier mitliest weiss dass ich eher der Typ für das seichte Witzige bin. Jedenfalls versuch ich meist über lustigere Alltagsgeschichten zu schreiben (häufig find ich sie als einzige witzig, aber hey, immerhin hab ichs mit mir selbst relativ lustig), und diese Beziehungsgeschichte war so gar nicht zum Lachen, drum lass ich sie auch künftig weg. Achten Sie darauf, ob ich den Angetrauten Göttergatte oder nur Gatte nenne, dann können Sie doch immerhin die aktuelle Freundlichkeitslage innerhalb der Beziehung orten...

Dann war da noch mein Vater. Mein Vater, der von heute auf morgen plötzlich Krebs hatte. Ja, richtig, Krebs. Unheilbar. Höchstens noch stopbar mit einer Chemo, aber auch das nicht zwingend. Mein Vater wäre nicht mein Vater wenn er sich nicht selbstverständlich gegen eine Chemo entschieden hätte. Seiner Meinung nach ist irgendwann für jeden Menschen der Zeitpunkt gekommen um zu gehen. "Ich habe keine Schulden, ich habe Nachwuchs der selbstständig ist, ich habe ein gewisses Alter erreicht, ich kann gehen". Er wollte nicht mal mehr genau untersuchen wo denn dieser verfluchte Tumor sitzt, der die ganzen Krebszellen in seinen Körper gestreut hat. "Ich weiss, dass ich sterbe, muss ich denn auch noch wissen woran?!", war seine Antwort auf die Frage der Aerztin bezüglich weiterer Untersuchungen. Angefangen hatte das ganze mit einem gebrochenen Lendenwirbel, der urplötzlich innerhalb von 2 Wochen stärkste Schmerzen verursachte. Der Lendenwirbel ist abgebrochen, weil die Krebszellen die Knochen bereits angegriffen hatten. Ein erstes Mal verfrachtete ich also meinen Vater an einem Freitag in die Notfallaufnahme des Kantonsspitals, morgens um 9, weil er die ganze Nacht vor lauter Schmerzen nicht schlafen konnte. Abends um 7 rief mich meine Mutter an, er hätte jetzt 10 Stunden im Notfall verbracht, sie hätten ihn zudem noch vergessen, er hätte jetzt die Verzichtserklärung unterschrieben und sei nach Hause spaziert (!! Zu Fuss, wohlgemerkt!!). Selbstverständlich habe ich ihn am nächsten Morgen nachdem die Schmerzmittel vom Vortag ausgepinkelt waren abermals in den Notfall gefahren, und dieses Mal ist er sogar geblieben, auch wenn ich am Sonntagabend nochmals in den Spital fahren musste, nachdem mich die Krankenschwester angerufen hatte um mir mitzuteilen, er hätte die Verzichtserklärung bereits wieder unterzeichnet, den Koffer gepackt, und den Auftrag gegeben mich zwecks Abholung her zu beordern. Uff. Das erste Mal seit 37 Jahren sprach ich ein Machtwort gegen meinen Vater... Wie ein kleiner Junge ist er zurück ins Zimmer und hat sich auf sein Krankenbett gelegt. Wie ein kleiner Junge hat er getrotzt gegen mich und war zutiefst beleidigt dass ich ihm nicht erlaubte nach Hause zu gehen. Aber ich wusste, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem die Entscheidungen jedenfalls teilweise von mir getroffen werden müssten.

Nach dem dritten Krankenhausaufenthalt musste ich wiederum entscheiden, und zwar dass es für meine Mutter körperlich wie auch nervlich nicht mehr machbar war ihn zu Hause zu pflegen. Der Körper meiner Mutter hatte reagiert auf den ganzen Stress, mit einem, ich vermute mal, Nervenzusammenbruch. Sie hat nur noch erbrochen, geheult, ist nicht mehr aus dem Bett gekommen und hat trotzdem nichts geschlafen. Da wusste ich, jetzt muss ich wieder die Böse sein, die ihm sagt dass es zu Hause nicht mehr geht... Wie gesagt, kein leichter Job...

In den letzten 4 Monaten musste ich zudem mitansehen, wie mein Vater, ein Brocken von einem Mann, gross, breit und über 100 Kilo schwer, immer weniger wurde... 35 Kilo sind bereits runter... Die Beine tragen ihn nur noch kurzzeitig. Beine die früher ohne Probleme eine 6-Stunden-Wanderung von der Lenk nach Adelboden mitgemacht haben. Die Lunge macht Mucken, nimmt ihm die Luft, oder gibt ihm zu wenig Luft, wie auch immer. Eine Lunge die früher auf die höchsten Berge mitgewandert ist... Kein einfaches Sein für einen bisher aktiven dominanten Menschen wie meinen Vater... Am liebsten würde er gehen, vertraut er mir an. Ich verstehe ihn, und wünsche es ihm, so traurig es mich auch macht ihn gehen zu lassen. Er lebt nicht mehr "sein" Leben. Er ist einfach noch da. Nicht mehr und nicht weniger. Es wird nicht einfacher und auch nicht besser die nächsten Monate, denn er wird sterben. Die Frage ist nur noch wann, und wie stark er bis dahin noch leiden muss. Ich hoffe nicht zu sehr...

Selbstverständlich gibt es auch Freudiges zu berichten. Die Kleinste ist am Dienstag erstmals über die Schwelle unseres Schulsystems getreten. Viel lässt sich dazu natürlich noch nicht sagen, ausser dass es eine Freude war zu sehen, wie sehr es ihr gefällt, ein Kindergartenkind zu sein. Und wie gut sie diese weitere Ablösung gemeistert hat. Waldspielgruppe sei Dank doch schon ein wenig erfahrener und unängstlicher als auch schon. Zu diesem Thema hab ich heute einen wunderbaren Artikel, bzw. deren zwei, im Netz gefunden. Auf dem Campus-Blog der NZZ veröffentlichte eine Studentin einen Brief an Herrn Teuwsen, seines Zeichens Redaktionsleiter der Zeit Schweiz, welcher die Maturrede an der Kantonsschule Aarau gehalten hatte. Beides sehr lesenswert, und nicht nur für die Lehrer, sondern auch für uns Eltern hinter die Ohren zu schreiben!

Der Brief einer Studentin an Herrn Teuwsen: http://campus.nzz.ch/node/1839

der sich auf die Maturrede von Herrn Teuwsen bezieht: http://www.zeit.de/2012/32/CH-Maturrede

Kommentare:

Maya... hat gesagt…

meine lieblingsbloggerin
gleich mit sovielen weniger schönen news aber trotzdem wie immer mit der richtigen prise humor durchmischt.

ich muss noch ein wenig überlegen und studieren und mitfühlen und mitdenken und....


... ich drück dich aus der ferne

maya

fraulavendel hat gesagt…

ich hab geahnt, dass es nicht so prickelnd läuft momentan & oft an dich gedacht!

von herzen wünsche ich dir viel kraft & zuversicht, dass alles gut kommt!

<3

Frau Familienwahnsinn hat gesagt…

jö... danke ihr beiden lieben. es ist wie es ist, und es kommt wie es kommen musst... :-D that's life, isn't it?
aber schön lest ihr nach dieser langen absenz immer noch mit, hätte ich ja nicht gedacht...
miss lavender, wieso kann ich bei dir keine posts ansehen? ich seh nur den pause-post... :-(
liebe grüsse und drückers aus dem schönen argovie!

Frau Familienwahnsinn hat gesagt…

übrigens, die haben ja den ganzen blog-aufbau völlig geändert.. ich komm mir vor wie ein anfänger!! gestern konnte ich nicht mal absätze machen.. ^^
gibts irgendwo einen kurs dafür? unübersichtlicher scheiss jetzt irgendwie...

seenia hat gesagt…

ach mensch! lass dich mal umarmen.


Frau Familienwahnsinn hat gesagt…

danke frau seenia! wollte bei dir heute auch einen kommentar hinterlassen... ging aber irgendwie nicht... ich versuchs nochmals.. :-D

Frau Familienwahnsinn hat gesagt…

nö, geht nicht ?!
hmmm.. wollte etwas zu deinem post "es kotzt mich an" schreiben... schreib ichs halt hier... ich kenn das mit der häufigen übelkeit... auch wenn ich es lange nicht wahrhaben wollte, bei mir liegts an der psyche... ich leide zwischendurch auch an panikattacken. und es heisst ja ncht umsonst "das schlägt mir auf den magen", wenn einen etwas belastet... bei mir wars immer so, dass ich überzeugt war, alles zu packen und stark zu sein etc.etc.etc... meine psyche, der sauhund, sah das aber anders... ;-D
kann bei dir ähnlich sein, muss aber nicht...
liebe gruess
b.

fraulavendel hat gesagt…

das du momentan nur meinen "pause"-post sehen kannst, ist ganz normal. ich mach halt pause. :)