Montag, 31. Januar 2011

Mutter werden ist nicht schwer, Mutter sein dagegen sehr?

Vermehrt kamen mir in letzter Zeit die grossen Seufzer von Müttern, die unzufrieden sind mit ihrem alleinigen Mutter-Dasein, zu Ohren. Sie wissen meist nicht genau, was ihnen denn fehlt, nur eben dass da was fehlt. Komischerweise handelt es sich durchs Band weg um Mütter, deren kleinstes Kind auch bereits den Kindergarten oder die Schule besucht, die nicht oder nur in sehr geringen Dosen erwerbstätig sind und die deshalb eine Menge Zeit für sich selbst hätten. (-> Was will man mehr, frage ich Sie als Mutter einer 3jährigen noch nicht Schulpflichtigen?!) Bei einigen scheint das gefährlich nahe an einer Depression zu sein, denn es sind nicht einmalige Jammergebaren sondern sich stetig wiederholende und andauernde.

Meiner einer freut sich wie eine Rabenmutter auf den Tag, an dem die Kleine endlich das Tor des Kindergartens durchwandert. Da ich an 3 Tagen die Woche erwerbstätig bin und die Kinder in dieser Zeit eh schon auswärts sind, "belaste" ich die Grossmütter mit Hütediensten an anderen Tagen nur wenn absolut unumgänglich. Also eigentlich fast nie. Ein Tag ganz für mich alleine ist eine Rarität seinesgleichen. Deshalb freue ich mich auch ganz Super-Mutter-unpassend auf die Schulzeit der Kinder. Vielleicht gelingt es mir dann einmal, ein paar Seiten in einem Buch bei Tageslicht zu lesen und nicht nur im Schein der Nachttischlampe. Oder einen Lebensmitteleinkauf hinter mich zu bringen ohne das Wort "NEIN!" nur einmal gebraucht zu haben.

Blenden wir mal ein paar Jahre zurück, in unsere Jugend. Die Mütter meiner Generation, also die Mütter der 70er-Jahre waren in der Regel Hausfrauen und nannte sich auch so. Was haben denn diese Mütter gegen die Sofa-Rumhäng-Lethargie erfunden? - Sie haben etwas unternommen, beispielsweise Kurse besucht. Die Migros-Klubschule war damals hoch im kommen. Meine eigene Mutter und ihre Nachbarsmütterkolleginnen haben in der Zeit, als wir Kinder beflissen in den Lehrtempel stiefelten, folgende Kurse besucht:

- Man flechte Bänder, reihe sie wie eine Schnecke aneinander im Kreise, nähe dies zusammen und voilà: Sie können ihren eigenen Teppich herstellen. Meine Mutter hat zwei geschafft.
- Man nehme irgendwas aus Glas, einen speziellen sauteuren Stift mit einem Diamäntchen an der Front und ritze. Wir haben ein Set Dessertteller, diverse Gläser und eine Kuchenschale beritzt gehabt. Ueberlebt haben bis heute nur ein paar wenige der gläsernen Unikate.
- Man kaufe eine bestickbare Kissenvorlage, Garn und etliches Nähutensil und besticke dies. Auf unserem Sofa übertrafen sich etwa 4 - 5 Kissen an kreativen Stickkonstruktionen in, im nachhinein, unsäglichen Farben. Im Auto meines Vaters lag ein Kissen auf der Kofferraumablage, das bestickt war wie das Nummernschild des Autos. Sie erinnern sich?
- Man flechte Papierkörbe aus, Achtung, jetzt kommts: leeren Zigarrettenpäckchen. In der heutigen Zeit von Rauchverboten und Rauchintolleranz ein undenkbares Hobby, aber in den 80ern war Rauchen noch in und gehörte zum guten Ton, drum zierte ebenfalls das Büro meines nicht mehr rauchenden Vaters einer dieser Abfallkörbe. Bunt war er jedenfalls. Ich als Kind fand die Päckchen dieser einen Marke, die so heisst wie der Ort wo der Weihnachtsmann wohnt, damals immer am schönsten, und irritierenderweise ist mir das bis heute in Erinnerung geblieben.

Wahrscheinlich haben die Mütter unseres Quartiers während wir uns mit Karl dem Grossen und "a quadrat plus b quadrat" rumquälten bei Kaffee und Kuchen (und Zigaretten) zusammengesessen, diverse Prospekte mit Kursangeboten studiert und allein schon damit und der Vorfreude auf die Kurse der Langeweile in den Hintern getreten. Mütter von heute, wie wärs also wieder mal mit einem Kursbesuch? Es muss ja nicht gerade Glasritzen oder Teppichknüpfen sein, ein Yoga-Kurs, ein Meditations-Kurs oder ein Sprachkurs ist ebenfalls gut gegen Langeweile und kann zudem auch noch nützlich sein. Oder das ganze gratis haben und spazieren gehen im Wald oder an der Aare. Geniesst es wieder mal für euch zu sein, Ihr habt die letzten Jahre jede Minute mit euren Kindern geteilt, habt viele Schlafminuten aufgegeben um eure Kinder nachts zu trösten oder zu stillen, habt x-mal tief durchatmend auf 100 gezählt um nicht in der Tierwelt eine Anzeige zu schalten mit dem Titel "Kinder gratis abzugeben", deshalb schaut jetzt in der Zeit, die ihr neu habt zu euch und atmet mal wieder tief durch!

Ich hoffe jedenfalls, dass meine Vorfreude sich in 2 Jahren nicht in eine Depression verwandeln wird, sonst muss ich mich wohl oder übel doch noch für einen Klöppel-Kurs anmelden... Warum gerade Klöppel-Kurs? Einfach nur weil ich das Wort "Klöppel" so gerne sage...

1 Kommentar:

joely@gmx.ch hat gesagt…

Du sprichst mir aus der Seele! :-)) Ich bin auch so eine Raben-Anti-super-Mutter! ;-)