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Donnerstag, 18. April 2013

Schleifen bis zum bitteren Ende

Kennen Sie den Film French Kiss, in dem Meg Ryan ihrem treulosen zukünftigen Ehemann nach Frankreich hinterherreist und dies trotz enormer Flugangst? Ich liebe diesen Film, hauptsächlich wohl wegen des Happy-Ends, weil ich mag keine Filme ohne Happy-End, und wegen dem vulgären dreckigen rauchenden Franzosen-Typ, gespielt von Kevin Kline, und wegen Fronkreisch selbst. Ich liebe Fronkreisch. Nun, in dem Film sitzt die zuckersüsse Meg Ryan im Flugzeug um ihrem treulosen noch-Verlobten hinterherzureisen und singt leise ihr Anti-Flugangst-Mantra-Lied vor sich hin in etwa so: " I hate Paris in the springtime, i hate Paris in the fall...". Ich vermute es sollte ursprünglich "I love Paris in the springtime" heissen, aber ich hab nichts über ein Original gefunden. Sie glauben es nicht, aber jedes einzelne Mal wenn ich in den letzten Wochen in oder vor der Garage stand und die Schleifmaschine in der Hand hielt summte mein inneres Ich dieses Lied vor sich hin, und zwar in folgender Version: "I hate schleifen in the morning, I hate schleifen in the afternoon, I hate schleifen, oh why do I hate schleifen, because I hate it hate it hate". Ich weiss nicht wieviel Kilos Farbe und Spachtel und was-weiss-ich-noch alles zusammengezählt ich nun runtergeschliffen habe von dem (noch) neptunblauen Baby. Jedenfalls eine Menge. Und das perfide daran ist, sobald du denkst, du bist fertig, kommt der Chef-Lackierer (der ein anderer ist als der Chef-Busumbauer), schmiert dir wieder an 5 Stellen Spachtel drauf, und dann schleifst du wieder. Und wieder. Und wieder. Grober Spachtel - schleifen, feiner Spachtel - schleifen.Und wenn man ahnungslos wie ich ist in Punkto Lackierung, dann denkt man, man hätte es endlich geschafft wenn die Grundierung drauf kommt. WEIT GEFEHLT!!! Die muss nämlich auch wieder feingeschliffen werden!! Das fasst man fast nicht, oder? Nun ja, in der Zwischenzeit hat sich immerhin der Frühling ein wenig angemeldet und bei eitel Sonnenschein schleift es sich etwas leichter.

Der Motorraum ist ebenfalls ausgspritzt worden, ein kleiner Vorgeschmack fängs auf das farblich noch kommende. Es handelt sich hierbei um ein ozeanicblau, dass es so Original im Jahr 1979 an den VW Bussen gegeben hat. Nachdem ich mich ja nun sehr schwer getan hatte mit der Entscheidung bin ich jetzt doch ausserordentlich glücklich mit meiner Farbwahl.

Dann durfte ich noch die Fugen auskitten, was ein paar anstrengede Haarwäschen zur Folge hatte, da ich einen Grossteil des Kitts ausser im Bus auch auf die Haare verteilt habe. Ausserdem wurde die Batterie angeschlossen, was heisst dass man das Baby anlassen kann, was beim Chefbusumbauer jeweils einen kleineren Gehörsturz verursachte. Nicht weil der Motor so laut wäre, sondern weil ich jedes Mal gekreischt habe... Sobald die Bremsen dann auch angeschlossen sind kann ich eine Runde ohne Herzinfarkt fahren, weil mit nicht angeschlossenen Bremsen und deshalb mit der Hand bremsend (Handbremse!) ist mir dann doch irgendwie zu abenteuerlich.
Genossen hab ichs aber trotzdem, Ride the Wind!!! (Kreisch!!!! Hier kann ich ja.).














Grundierung

(Stand Ende März 2013)

Dienstag, 26. Februar 2013

Friss Dreck!! Oder der Busunterboden in meinem Munde...

Der Chef-Busumbauer meinte, die ganze Schicht... äh... die da am Unterboden (der heisst Unterboden, oder?!)... also, das schwarze das da unten... äh... irgendwie alles schützt und so.. also jedenfalls diese Schicht muss weg. (...vielleicht sollte ich nochmals nachfragen wie die genau heisst... Sie sehen also, auch nach 2 Monaten handwerklicher Autobetätigung bin ich immer noch durch und durch Bürolist und kann mir keine Fachbegriffe merken, trotz der klangvollen Namen. Ich muss selbst bei Namen die ich behalten kann wie Winkelschleifer oder Drahtbürste jeweils mindestens 10 Sekunden überlegen welches jetzt welches ist.). Mal abgesehen davon dass das ganze Wegkratzen äusserst anstrengend für meine Büroarme ist da alles über Kopf, habe ich zwei Dinge gelernt dabei:

1. Ziehe immer eine Schutzbrille an!
2. Mach den Mund zu beim Wegkratzen!

(Sie glauben gar nicht wie schwierig diese Arbeit für jemanden wie mich war!! Hauptsächlich wegen zweiterem Punkt...)

Zudem habe ich festgestellt, dass man kratzen, kratzen und nochmals kratzen kann, irgendwo hats immer noch von diesem schwarzen Zeugs. Als ob es sich jeweils heimlich über Nacht wieder vermehren würde. Der Chefbusumbauer flickte derweilen allerlei Rostlöcher. Immerhin die vermehren sich nicht sondern werden zusehends weniger. Freude!!

Zwischendurch durfte ich dann noch mit dem Winkelschleifer die Bodenträger (auch hier, Namensangabe ohne Gewähr, gemeint sind die Querstreben die als Träger für den Boden dienen. Ich finde Bodenträger tönt ziemlich gut. Könnt sogar in Echt so heissen) blank schleifen, heisst all die restlichen spitzen Dinger, die übrig geblieben sind von meinem letzten Intermezzo mit dem Boden und dem Winkelschleifer wegmachen. Für mich als alter Winkelschleifprofi kein Problem mehr, dieses Mal, ich hatte nicht mal mehr Angst vor den ganzen Funken und ich glaube nur ganz wenige, sicher nicht mal 10, haben sich auf meine Arme verirrt. (Kurzes Au, aber wirklich sehr kurzes!).

Danach hiess es wieder schleifen schleifen schleifen, dieses Mal aussen. Auch hier eine Arbeit ohne ersichtliches Ende, die mir aber unheimlich Spass macht. Vermutlich als Einzige, denn alle umstehenden Personen können spätestens nach 10 Minuten das nervige Schleifgeräusch nicht mehr hören. Mir allerdings gefällt das, also das Schleifen, nicht das Geräusch, sogar so sehr dass ich mir für zu Hause auch eine Schleifmaschine gekauft habe. Alte Stühle werden ab sofort nicht mehr von Hand sondern maschinell aufbereitet! Juhu. Die Holztreppe habe ich auch im Auge, aber erst wenn ich Frei-Zeit-technisch wieder etwas unterfordert bin, was im Moment ja nicht der Fall ist.

Frohes gibt es noch für unsere Hintern zu verkünden, die Sitzbänke aus dem 3er-Bus passen! Wir werden also künftig nicht mehr auf blankem Blech sitzen müssen sondern haben weiches Polster darunter. Da Sitzbänke anscheinend eher schwer zu finden sind oder wenn dann sehr teuer war dies ein echter Glücksgriff, den ich natürlich auch dem Chef-Büsler zu verdanken habe.

Nach längerem Hin- und Herüberlegen haben wir uns zudem entschieden, die Front zu ersetzen. Da wo die Fensterdichtungen entlanggehen, auch hier keine genaue bekannte Namensgebung meinerseits, war alles vom Rost so zerfressen, dass der Chefbusumbauer meinte es wäre sinnvoller gleich die ganze Front herauszuschneiden und mit einem Ersatzteil zu ergänzen. Dann haben wir auch eine saubere Grundlage und ich hab nicht in ein paar Jahren das Problem dass sich der Rost weiterfrisst. Die alte Front steht übrigens jetzt bei mir im Garten! Andere haben Blumen, ich hab halt eine Bus-Front. So sind Geschmäcker nun mal verschieden.















(Stand November 2012)

Sonntag, 24. Februar 2013

Der Bus wird immer weniger und der Muskelkater immer mehr...

Ich komme gerade aus der Badewanne, nach „Balsam für die Seele“ duftend. Eigentlich hätte ich Balsam für die Hände gebraucht, aber sowas gibts ja nicht, jedenfalls nicht in Badewannenzusatzform. Ich spüre jeden einzelnen Muskel und jeden Knochen. Durch meine total schwarzen Hände schimmerte das Rot durch, so wund waren die noch nie. Zudem hatte der Göttergatte auch noch die glorreiche Idee, wir sollten langsam unsere Garageneinfahrt aufschütten. Heisst die Mischung aus Steinen und Erde von vorne nach hinten schaufeln, und eigentlich könnte ich ja dabei gut helfen, ist ja auch mein Haus, ne.

Jedenfalls kann niemand sagen, meine Arme wären heute untrainiert geblieben. Blöderweise gehören diese nicht zwingend zu meinen Problemzonen, aber mit der Taille zu handwerken geht nun einfach mal nicht, dafür fehlt da ein Daumen irgendwo an der Seite angemacht. ...Ich schweife ab. Ich habe heute den Boden aus dem Bus herausgeschnitten. Beziehungsweise um es konkreter auszudrücken, der Chefbusumbauer hat die Teile rausgeschnitten entlang den Querstreben, und ich durfte dann die auf die Streben gepunkteten Blechteile noch rausschneiden. Im Detail geht das so, dass man circa 2 - 3 Zentimeter mit der Zange abziehen kann, dann mit der Flex dieses Teil wegschneidet, danach wieder 2 -3 Zentimeter abziehen, wieder wegschneiden... und so weiter und so fort... 5 Streben lang... Zwischendurch flucht man auch in nicht für Kinderohren bestimmter Art und Weise, aber irgendwann ists geschafft und die Schmerzen in den Fingern werden auch wieder nachlassen... Vermute ich jedenfalls. Ich leg mich jetzt aufs Sofa und freue mich entspannt dass wieder ein Teil geschafft ist. Ich überlege die ganze Zeit an einer witzigen Pointe rum, aber da geht gar nix mehr, mein Körper ist zu müde um witzig zu sein, ein ander Mal vielleicht wieder... Ich freu mich schon auf den Muskelkater morgen. Gute Nacht!




Meine Freundin Flex... cool wie sie funkt und sprüht....


umbiegen... dann wegschneiden... dann umbiegen... dann wegschneiden...


Eine Reihe ist geschafft!


Untenansicht (durch den nicht mehr vorhandenen Boden Richtung Busdecke)


(Stand Oktober 2012)

Samstag, 9. Februar 2013

Das Abenteuer Bus geht weiter...


Ich komm aus dem Shoppen gar nicht mehr raus, soll noch mal einer sagen, Autos seien nix für Frauen! Ich sag nur "Cagero" in Birr, ein wahres Paradies für Busbesitzer und/oder -liebhaber. Wir haben neue Seitenteile für das Baby gekauft, da der Aufwand die alten wieder herzustellen in unermesslicher Arbeit ausarten würden, ausserdem bekommt er neue Pobacken (das Leben könnte so einfach sein wäre man bloss ein Bus!!!! Ich gäb viel darum neue Pobacken KAUFEN zu können... solche die erst 20 Jahre auf dem Buckel hätten und noch keine Schwangerschaften und keinen Nikotinentzug hinter sich...). Ausserdem haben die Grosse und ich uns schon mal in weiser Voraussicht auf die kommenden Camping-Ausflüge mit Camping-Geschirr eingedeckt, selbstverständlich mit entsprechendem Bus-Motiv. Dass wir daraufhin ein Kopfschütteln vom Chef-Busumbauer geerntet haben war für mich nun nicht mehr weiter verwunderlich, kenn ich ihn nun doch auch schon ein bisschen, dass er jedoch den Verkäufer explizit fragte: "Das hat noch nie jemand gekauft, oder? Das ist das erste Serviertablett das du verkaufst, oder?" bedarf einer kleinen Rache. Sagen wir mal so, der Chef-Busumbauer hat bald Geburtstag, und das Camping-Geschirr gibts als Becher, kleiner Teller, grosser Teller, Schüsselchen, Serviertablett, Besteck... Was er zum Geburtstag geschenkt bekommt ist klar, ne?

Also, um auf die Arbeit am Bus zurückzukommen, die gekauften Teile müssen natürlich auch wieder an den Bus rangemacht werden. Mit Kleber oder Leim gehts schlecht weshalb das noch immer in den Aufgabenbereich des Chefs fällt, und nicht in meinen. Ich durfte unterdessen das Armaturenbrett etwas aufbereiten und mit der Drahtbürste allerlei Teile bearbeiten. Ich weiss gar nicht mehr was ich alles gedrahtbürstet habe. Unter anderem jedenfalls die Bremshalter, die habe ich poliert (und das weiss ich nur noch weil ich es aufgeschrieben habe) und die Motorentüre habe ich aufbereitet, diese natürlich wieder mal mit meinem guten alten Freund, der Schleifmaschine. Vermutlich hat mich der Chef-Busumbauer einfach versucht zu beschäftigen, damit er in der Zwischenzeit in Ruhe die Seiten sowie die "Födlibacken" rausschneiden und ersetzen kann. Zwischendurch durfte ich doch immerhin mal "dagegendrücken", ansonsten hatte ich aber zugegebenermassen nicht viel zu tun mit der Schweisserei. 

Der Bus halt also einen Teil seiner Schönheitsoperationen schon überstanden. Die Teile werden mit "Punkten" angeschweisst und dann hält das wieder. Eigentlich ganz einfach, oder? Genau das selbe passiert vorne am Boden. Die ganzen Löcher, durch die man den Asphalt unter den Rädern nicht nur gespürt sondern auch gesehen hat, die sind geflickt. Eigentlich ist es immer das gleiche Prinzip, kaputtes Blech rausschneiden, neues Blech reinschweissen. Würde man kein neues Blech reinschweissen könnte man wie zuweilen Fred Feuerstein mit den Füssen beschleunigen, siehe auch Foto 11, aber wir sind ja nun doch nicht mehr in der Steinzeit sondern in der Neuzeit. Was so niedergeschrieben ganz einfach klingt ist natürlich in Tat und Wahrheit nicht ganz so einfach, sondern muss genau bemessen und allenfalls noch gebogen werden. Aber der Chef-Busumbauer hat das sehr gut im Griff, da bin ich völlig vertrauensvoll (...und froh dass ich nicht die bin die millimeterlen muss, weil ichs nämlich mit der Exaktheit häufig nicht ganz so habe... ).

Der Bus steht nun auf dem Lift und bei der Ansicht von unten haben "wir" festgestellt (also, der Chef-Busumbauer hat festgestellt und ich habe wissend genickt...) dass die Heizung ziemlich zerfressen ist. Ansonsten sieht er nun von unten gar nicht so schlecht aus wie befürchtet. Wie gesagt, ich nicke jeweils, wissend tuend oder so. Ich erfreue mich mehr an der Tierzucht, die mein Bus beheimatet. Beim Aufschneiden vom Blech sind Wespennester zum Vorschein gekommen, beim Abnehmen der Stossstange eine ganze Horde von Schnecken. Irgendwas muss der Bus an sich haben, dass die Tierwelt ihn sich ausgesucht hat. Gefällt mir als Tierliebhaber natürlich sehr.

Ach, noch ein kleiner Tipp. Sollten Sie je ein Auto auf dem Lift haben, und Sie stehen darunter, versuchen Sie nicht durch hochspringen hinter irgendwelche Teile zu sehen. Sie werden dadurch mit 99,9%iger Garantie den Kopf anschlagen, was ganz logisch erscheint wenn mans so liest, so im nachhinein, aber irgendwie wenn man daruntersteht taucht diese Idee einfach auf, ohne die Folgen einzubedenken und dann, ja, dann haben Sie halt einfach mal wieder eine Beule am Kopf. Ist ja jetzt in meinem Fall nicht die Erste.


Mein bester Freund, die Schleifmaschine...




Taigagrün oder nicht Taigagrün, das ist hier die Frage....





Gerosteter Fussraum. Also, dort wo man die Füsse am Boden hat wenn man sitzt. Könnte Fussraum heissen, oder?




Das Fred-Feuerstein-Mobil... also, gerosteter Fussraum draussen...



Besagte Bremshalter, oder Bremsklotzhalter, oder wie die Dinger auch immer heissen...




(Stand Oktober '12)

Sonntag, 20. Januar 2013

Shopping auf dem Busfriedhof zum Zweiten


Jede Frau liebt es zu shoppen, aber waren Sie schon mal einen Motor kaufen? Oder ein Getriebe? Oder einen Schaltknüppel? Nein? Ich schon! Macht grad soviel Spass wie ein neues paar Jeans, ist nur ein wenig teurer. Also, ausser man kauft Luxusjeans in Luxuboutiquen in Luxus-Monaco. Zu dieser Sorte Mensch gehöre ich jedoch nicht, noch nicht mal wenn ich das Geld dazu hätte. 1500 Schweizer Fränkli habe ich dem Bushändler in Safenwil hingeblättert und schon hatte ich einen neuen Motor für mein Baby sowie ein neues Getriebe und einen Schaltknüppel. Der Schaltknüppel war übrigens gratis, wohl so eine Art 3 für 2. Und neu heisst natürlich nicht fabrikneu sondern occasionsneu halt. Ist jedenfalls gemäss dem Bus-Chefumbauer ein absolutes Schnäppchen und ich freue mich ging die Suche nach dem Herz des Busses so flott von Statten.

Vorerst muss die Herztransplantation jedoch noch warten, zuerst sind die ganzen Schönheitsoperationen vorzunehmen. Ich durfte heute anfangen die Türen abzuschleifen! Sollten Sie sowas auch mal machen müssen, achten Sie darauf, dass die Uebergänge zart sind wie ein Baby-Po. Achten Sie auch darauf, dass auf der Schleifmaschine Schleifpapier klebt, wenn Sie anfangen zu schleifen, sonst könnte es sein dass Sie das erste Mal ausgelacht werden! Ich sprech da irgendwie aus Erfahrung. Um auf das Schleifen zurückzukommen, da darf bei den Uebergängen kein bisschen Kratzen mehr zu spüren sein wenn Sie mit dem blanken Finger darüberstreichen. Runterschleifen bis aufs Blech ist nicht nötig. Was hält, das hält. Was blättert, das muss weg. Ganz einfache Regeln also, die sogar ich als Totallaie verstehe. Und was hält, muss einfach ein bisschen angeschliffen, sprich aufgeraut werden. Nachdem Sie gefühlte 15 Stunden am Stück geschliffen haben und das Vibrieren in Ihren Händen auch nach Abschalten der Schleifmaschine nicht aufhört sollten Sie dringends eine Pause einlegen. Und falls Sie wie ich ein blaues Fahrzeug abschleifen, wundern Sie sich nicht wenn man Sie „Schlumpf“ nennt, bis Sie die nächste Dusche genommen haben. Der feine Farbstaub verteilt sich zuverlässig überall auf und in Ihnen. Ich sag nur Nasenlöcher! Ich habe mindestens 24 Stunden lang blau geschneuzt. Picasso hätte seine Freude an mir gehabt!

An diesem Tag werden zudem die von Rost zerfressenen Ecken an den Türen geflickt, dies allerdings durch den Bus-Chefumbauer, da schweissen und spenglern noch nicht in meinen Aufgabenbereich gehören (und ich ehrlicherweise auch nicht sicher bin, ob sie das je werden). Das heisst, der verrostete Teil wird herausgeschnitten und danach mit einem auf das entsprechende Mass zugeschnittenen Blech ersetzt mittels Anschweissen. Die 3. Türe wird ausgetauscht gegen eine noch in der Garage vorhandene. Bis das der Rost uns scheidet traf in diesem Fall für die Originaltüre zu. Die erste Beule ist auch gefasst, also nicht am Bus (ha, die ERSTE! wäre da schon zum totlachen), sondern am Kopf. Der Bus-Chefumbauer wollte mir helfenderweise die Türe zwecks anderer Seite schleifen umkehren währenddessen ich mich gleichzeitig nach vorne bückte um die Drahtbürste vom Boden aufzuheben. Nachdem mein Schädel aufhörte zu brummen fiel mir als erstes die Nummer von Cabaret Rotstift ein „en Chopf wiene VW-Türe, so richtig zom drigingge!“Jojo, Humor ist wenn man trotzdem lacht.

Am Schluss werden noch alle Uebergänge und Rostflecken, die nicht abschleifbar waren mit Rostumwandler für ein erstes Mal bepinselt und mit einem kräftigen Daumendrücken werden dessen Fähigkeiten besiegelt.

Uebrigens, Gary ist zurück! Sie wissen schon, Gary, die Busschnecke! Ich vermute er hat das Leben auf der Ueberholspur vermisst und hat sich deshalb seinen Weg zurück zu seinem ehemaligen Daheim gesucht. Aus tierschützerischen Gründen konnten wir ihn jedoch nicht im Bus belassen, sondern die Töchter haben ihn in einem riesigen Gurkenglas mit nach Hause genommen. Er wird jetzt liebevoll mit Salat und Apfel gefüttert, damit wir bald den zweiten Versuch zur Entlassung in die Freiheit vornehmen können.

Ein Freund, ein guter Freund... Für eine gaaaaanz lange Zeit.

Operation Amputation Rostecke (unten links)

 
Rausgeschnitten, und was kommt hervor zwischen zwei Blechen?? Ein Gary-Baby!! Soll noch einer erzählen Autos seien umweltfeindlich. Mein Bus jedenfalls ist Brut- und Geburtsstätte von so mancher Schnecke.

Das Baby!

Kinderarbeit. Legal.




Nach dem Wegschleifen des Rostes, zu sehen sind Originalfarbe, darunter Spachtel, darunter Grundierung, darunter Blech. Auf den Uebergängen Rostumwandler (das violette...)


(Stand September 2012)

Samstag, 12. Januar 2013

Die ersten Schritte im neuen Daheim


Das Baby hat den Kuraufenthalt in der Privatgarage angetreten, das Projekt kann nun endlich begin­nen. Ein erstes Mal durfte ich ihn sogar schon fahren, meinen wahrgewordenen Autotraum, allerdings lediglich an ein Abschleppseil an einen VW Golf gebunden. In Ermangelung von Polstern auf blankem Blech sitzend und mit Handbremse bremsend. Ein etwas mulmiges Gefühl im Bewusstsein darum, wie sehr der Vordermann an seinem Auto hängt. Ausserdem hoffe ich, das wird nicht die künftige Fortbewegungsart bleiben.

Als erstes sollte der Bus mal eine Weile richtig durchlüften, da er lange Jahre jetzt mit ein paar weni­gen Artgenossen auf dem Schrottplatz rumstehen musste, bis sich meiner einer in ihn verliebt hat. In dieser Zeit haben sich Wespen eingenistet und eine ganze Armee Spinnen haben sich ihn zu ihrem Lieblingsplatz auserkoren. Ich bin ein Einzelkind und deshalb nur bedingt fähig zu teilen, und für Wohngemeinschaften bin ich nun mal sowieso zu alt. Die bisherigen Mieter haben also ihre Kündi­gung erhalten und mussten samt Netz und Pack ausziehen. Auch Gary, die Busschnecke, von Anfang an dabei wie Sie aus den letzten Fotos sehen. Sein Leben auf der Ueberholspur geht im an die Garage grenzenden Gebüsch weiter. Alles Gute Gary!

Zwecks Durchlüftung und Entfeuchtung des Busses müssen nun erstmal alle Fenster raus. Ich fasse meinen ersten Job als Automechanikerlehrling und beginne damit rundherum die Gummidichtungen mit einem Teppichmesser herauszuschneiden. Für alle, die genau so wenig Ahnung haben wie ich: Wenn die Gummidichtungen beim Auto weg sind, halten auch die Fenster nicht mehr und können somit ganz einfach herausgenommen werden. Können Sie gerne an ihrem Auto selbst versuchen, seien Sie sich aber bewusst, dass Sie danach neue Dichtungen brauchen sowie vermutlich einen Fachmann der die Dichtungen mitsamt den Fenstern wieder einsetzt. Ich könnte Ihnen lediglich beim Herausschneiden helfen, beim wiedereinsetzen bin ich noch nicht! Nach 2 Minuten also höre ich bereits den Satz „Wenn du so weiter machst ist es dun­kel bis du die letzte Dichtung raus hast“. Zum Glück bin ich zwischendurch mal im richtigen Moment schlagfertig und antworte „Lass uns mal gemeinsam je eine Steuererklärung machen! Was meinst du bei wem von uns beiden es dunkel wird bis sie vollständig ausgefüllt da liegt?!“ Zwei Sekunden vergehen bevor der Bus-Chefumbauer anerkennend nickt. Ab da waren die Fronten geklärt und er hatte sich, fürs erste jedenfalls, mit meiner Langsamkeit abgefunden. Mit jedem Fenster wurde ich schneller und schlussendlich hatte ich es geschafft, noch bevor die Dämmerung über das Land hereinbrach.

Dann durfte alles was abmontierbar ist abmontiert werden. Schlösser, Lichter, Nummernhalter und ähnliches. Ich schraube und löse und schraube und löse, was mir halt grad so abmontierbar erscheint, und gerade als ich mich für den absoluten Handwerkerkönig halte und mein Körper sich schon in Anspannung versetzt um das Victory-Zeichen zu posieren, ist Schluss. Die letzte Schraube, wie könnte es anders sein, will sich mir nicht ergeben. Vorerst. 2 Sprühdrücker Corex Ice Spezialkriech­öl und ich stehe da als hätte ich gerade den 30jährigen Krieg gewonnen mit dem Schraubenzieher in hoch erhobener Hand. Wenn ich noch herausfinde wozu dieses kriechende Oel im Haushalt verwendbar ist werde ich es zu meinem Lieblingshausmittel erküren. Einzig die Schrauben des Armaturenbretts waren zusammen mit Rost zu einer Einheit mit dem Blech verschmolzen und leisteten bis zum bitteren Ende Widerstand. Der Bohrer setzte diesem Widerstand gnadenlos ein Ende. Jaja, das ist hier kein Ponyhof.

Nachdem also sämtliche Verkleidungen an den Türen und am Dach mit roher Gewalt entfernt sind (sanfte Renovation, pah!) und auch die vollkommen angefaulten Sonnenblenden ihre letzte Reise Richtung Abfallsack angetreten haben werden noch die Türen abgeschraubt und dann steht der Bus so nackig wie nötig in seiner ganzen neptunblauen Schönheit da. Lediglich auf dem Boden im Innern liegen noch allerlei Ueberbleibsel aus der besitzerlosen Zeit. Dort wo der Dreck noch nicht durch die Rostlöcher zum Boden gesegelt ist. Jede perfekte Hausfrau würde erschaudern beim Anblick der sich ihr hier bietet. Einer der wenigen Momente in denen ich dankbar bin nicht zu dieser in unserem Lande doch erstaunlich häufig anzutreffenden Spezie Frau zu gehören. Jahrzehntelang angehäufter Dreck gepaart mit einer ordentlichen Prise Feuchtigkeit, einer erfolgreichen Champignons-Zucht stünde nichts im Wege. Ausserdem finden sich eine Zigarrette, vermutlich eine die noch zu ungefähr Fr. 3.-- das Päckli gekauft wurde, eine Zürcher Zeitung aus dem Jahr 1994 sowie eine leider nicht mehr lesbare Visitenkarte. Sehen Sie übrigens den Schlitz auf Foto 4? Nachdem ich in jedem Quadratzentimeter dieses Wunderwägelchens Rostlöcher gefunden hatte, stiess ich beim reinigen der Dachrinne mit dem Schraubenzieher auf besagten Schlitz, stiess ein Stöhnen aus und sagte „Hier ist auch alles durchgerostet!“. Schaut mich der Chef-Busumbauer mit hochgezogenen Augenbrauen und einem wie-kann-man-nur-so-unwissend-sein Blick an und sagt „Das muss so sein, dort läuft das Regenwasser ab damit es eben NICHT steht und NICHT rostet!“ Okay, aber hätt ja sein können...

Fürs erste hatte ich jedenfalls hinreichend Rost inhaliert und der Hornhaut an den Händen war auch zur Genüge gefrönt, Feuer entfachen und grillen war nun endlich angesagt. Beim nächsten Treffen mit meinem Bus solls dann endlich etwas röhren. Ich bin gespannt ob wir uns anfreunden, die Schleifmaschine und ich, ich hatte nämlich noch nie sowas unter meinen Händen.

Bis dahin, gute Fahrt und grüne Ampeln wünsch ich Ihnen!





Damit man die Strasse unter den Rädern nicht nur spürt sondern auch sieht!



Luftlöcher


 Besagtes "Abwasser-Dach-System", KEIN Rostschlitz


Gary, die Busschnecke, back from out of the green into the blue






Schnipp Schnapp, Fensterdichtungen weg!


(Stand Ende September 12)